Mit 80 Jahren zur Firmung geführt: Franz Galla

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Franz Galla war der Großvater mütterlicherseits unseres allen bekannten Franz Spevacek. Die Illustrierte Kronen-Zeitung berichtet am 5. Juni 1930 auf Seite 5:

„Firmungstage in Margareten. Durch Straßen und Gassen fahren blumengeschmückt die Zeugerln, rufen in ihrer Pracht Bewunderung und Entzücken hervor. Auch durch die Siebenbrunnengasse nahmen sie den Weg. Vorbei, an der Gastwirtschaft Leopold Köhrers. Dort haben sich gerade die Stammgäste zu gemütlichem Beisammensein versammelt. Sie sehen die Firmungswagen, sehen Freude und Festesstimmung der Firmlinge und Paten. „Wie wär’s, wenn wir auch jemanden zur Firmung führen würden, das wär‘ doch eine gute Tat,“ meint der Magazineur Franz Hutter. Der Vorschlag findet freudigste Zustimmung, der Wirt Leopold Köhrer ist auch gleich dabei. Ja, aber wen? Das ist die Frage, die nun entschieden werden soll. „Nehmt’s mi, j bin a no net g‘firmt,“ tönt eine Stimme aus der Mitte der Stammgäste, Franz Galla, der Achtzigjährige, der älteste Stammgast, ist es. Sofort waren die anderen einig. Ja, Franz Galla, der in Ehren ergraute Schlossergehilfe, sollte zur Firmung geführt werden.

Diese Szene spielte sich etwa vor Jahresfrist in der Gastwirtschaft Köhrer, Siebenbrunnengasse 63, ab. Unablässig wurde nun unter den Stammgästen während der folgenden Monate gesammelt, um die Firmung so glanzvoll als möglich zu, gestalten. Jeder wußte es, am 8. Juni wird Franz Galla zur Firmung geführt. Der Wirt Leopold Köhrer aber erklärte sich bereit, die Patenschaft zu übernehmen. Er will dem greisen Firmling mit einem Geldgeschenk, 150 Schilling in Gold, eine Ueberraschung bereiten.

Franz Galla

Franz Galla, Privatbesitz Franz Spevacek

Franz Galla ist arm, sehr arm, er kann das Geld wirklich brauchen. Von 53 Schilling Altersrente müssen er und seine Gattin Maria einen ganzen Monat leben. Nur zu oft ist im Hause des Achtzigjährigen Schmalhans Küchenmeister. Trotzdem ist Galla stets guter Dinge, scherzt und lacht und interessiert sich für alles, was in der „Kronen-Zeitung“ steht, deren treuer Leser er schon über zwanzig Jahre ist.

Als Sohn eines Schuhmachers kam Franz Galla vierzehnjährig nach Wien, wo er bei einem Schlossermeister in Margareten eine Lehrstelle annahm. Das war vor 66 Jahren. Seitdem hat er diesen Bezirk nicht verlassen. In Margareten hat er gefreit, in Margreten haben auch seine vierzehn Buben das Licht der Welt erblickt. Ueber dreißig Jahre wohnte er schon im Hause Embelgasse 38, von allen Parteien wegen seiner Redlichkeit hochgeehrt und geschätzt.

Für den Firmungstag am 8. Juni wurde ein umfangreiches Programm festgesetzt. Um 12 Uhr mittags wird ein reich dekorierter Wagen Firmling und Paten von der Gastwirtschaft Köhrer abholen und in die Stephanskirche führen. Von dort gehts nach Neustift am Walde, wo im Kreise der Stammgäste des Köhrerschen Gasthauses der Nachmittag verbracht wird. Abends gibts dann ein großes Festessen beim Herbergsvater.
Quelle: Illustrierte Kronen-Zeitung, 5. Juni 1930 Seite 5
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=krz&datum=19300605&seite=5&zoom=33&query=%22galla%22&ref=anno-search

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