Ing. Felix Gundacker – Verleihung des Berufstitels Professor (Frank Raschka)

Lieber Felix!

Zur Verleihung des Berufstitels Professor gratuliere ich Dir von Herzen! Diesen Titel hast Du Dir redlich verdient!

Inmitten von diesen bekannten Persönlichkeiten, als mit Abstand jüngster Geehrte ausgezeichnet zu werden war sicherlich ein beeindruckendes Erlebnis. Im vorigen Jahr wurden lediglich neun Persönlichkeiten im Bundesministerium für Bildung mit diesem Berufstitel ausgezeichnet; das zeigt, dass damit sorgfältig umgegangen wird und Professor kein inflationär vergebener Titel ist.

Als Du mir bei unserem letzten Treffen erzählt hast, wie Du vor rund 25 Jahren mit dem Trauungsindex von Wien begonnen hast, war ich wirklich überwältigt. Und ich hoffe Du bist mir nicht gram wenn ich das hier widergebe. Denn die meisten der Leser werden sich ein Leben ohne digitaler Quellen oder zumindest Mikrofilme kaum mehr vorstellen können.

Du hast erzählt, wie Du 1991 die erste Pfarre in Angriff genommen hast, zu einer Zeit, wo es noch keine Digitalkameras gab. Du bist mit einem Portable-Kopierer in A4 von Pfarre zu Pfarre gefahren und hast dort die Namensregister der Bücher kopiert und in einigen Fällen eben die ganzen Bücher. Die waren zum überwiegenden Teil größer als A4. Es muss eine ordentliche Arbeit gewesen sein, alleine nur die vielen Register zu kopieren, in Summe mehr als 1,5 Meter. Dann hast Du sie mit Excel aufgearbeitet, zu einer Zeit, als Excel nur 16.000 Zeilen kannte. Allein an St. Stephan hast Du bis 1790 ein halbes Jahr geschrieben, fast jeden Abend, mehr als 150.000 Einträge, und Wien gesamt mehr als 730.000. Dann noch die rund 100.000 von Mansfeld. Kontrollen in den Pfarren waren notwendig – also nochmals hin.

Was würden wir Forscher ohne diesem Standardwerk heute machen? Ich habe die rund 5500 Seiten eng bedrucktes Papier im Wr. Stadt- und Landesarchiv zum ersten Mal gesehen, und seit einigen Jahren sind sie bei GenTeam auch kostenlos online. Aber ich habe mir nie wirklich Gedanken gemacht, wie diese Bücher zustande kamen, und die Menge an Arbeit war mir nicht bewusst.

Viele weitere Indizierungen aus Kirchenbüchern folgten, ebenfalls zu einer Zeit wo nichts online war. Dann Dein „Totschläger“ der Besitzer der Bauparzellen von NÖ und Wien aus 1817, wiederum 200.000 Einträge. Auch im NÖ Landesarchiv ist es ein unverzichtbares Nachschlagewerk geworden, ein Buch wie es heute kaum mehr geschrieben wird. Rund 100 Tage in den Archiven; bis heute sind diese Protokolle ja nicht online.

Dein komplettes Ortsverzeichnis der Staaten Tschechien Österreich und Slowenien, einfach marktgerecht eine Hilfe für uns alle. Und auch hier stelle ich mir die Frage: Wie würde das ohne überhaupt noch gehen?

Von den rund 15 Millionen Einträgen bei GenTeam stammen rund 2,5 Millionen aus Deiner Tastatur. Nur jemand, der selbst viel indiziert, wird ermessen können, wie viele Stunden, Tage, Monate und Jahre hier notwendig waren.

Wenn es auch noch viel zu früh ist, denn Du bist ja noch nicht einmal 57!, von einem Lebenswerk zu schreiben, kann man wahrlich sagen: Du bist der Pionier der Genealogie in Österreich, der Motor der Quellenerfassung. Dass Du dies alles als Berufsgenealoge allen Forschern auf http://www.genteam.eu kostenlos zur Verfügung stellst und Dich nicht hinter einem Mitgliedsbeitrag versteckst, ist ein weiteres wichtiges Zeichen Deiner Persönlichkeit und Deines Engagements. Auch dass Du Dein umfassendes Wissen nicht für Dich behältst, sondern in Foren und Listen und in zwar anstrengenden aber sehr informativen Seminaren anderen weitergibst.

Du erwähntest auch, wie ein anderer eine Wissenschaftlerin angebettelt hat, auch ihm die Erlaubnis zu erteilen ihren Index abtippen zu lassen; dass es sich hier nicht um einen Index handelt, sondern um eine aufwendig erstellte Datenbank, scheint dem Neider entgangen zu sein. Das ist eben der Unterschied zwischen jenen, die nur “abtippen lassen“ bzw. jenen, die selbst schreiben. Viel schreiben. Ein Unterschied zwischen einem Nehmer und einem der auch zurückgibt, zwischen jenen, die aus Neid Fehler mit Lauskämmen suchen, aber selbst nichts für andere tun.

Ebenso sind Deine pro-bono-Projekte hervorzuheben, allen voran jenes des Raubgutes der Julius-Streicher-Bibliothek. Es war eine Freude zu lesen, dass durch Deine letzte diesbezügliche Aussendung nach nur wenigen Tagen Rechtsnachfolger ermittelt und versprengte Verwandte gefunden werden konnten, die voneinander nicht gewusst hatten.

Unvergesslich auch Dein Einsatz für ein moderates Personenstandsgesetz in Österreich, von dem wir nun alle profitieren, indem wir zusätzliche 30 Jahre Trauungen und 70 Jahre Sterbefälle einsehen können.

Diese Auszeichnung als Wissenschaftler, Berufsgenealoge und Kulturvermittler hast Du Dir wahrlich verdient. So wünsche ich Dir und natürlich auch uns allen, dass Du und Dein genteam der Forscherwelt noch lange zur Verfügung stehen werden.

Für mich ist es jedenfalls eine Auszeichnung und Freude, mit Dir einen Teil des Weges zu gehen. Zugleich ist mir dieser Weg Ansporn, das Projekt der Verlustlisten so rasch als möglich zu einem Ende zu bringen.

Herzliche Grüße,

Dein Freund Franky

 

Mehr dazu: Information des Bundesministeriums für Bildung (zuletzt abgefragt 15.3.2017)

https://www.bmb.gv.at/ministerium/vp/2017/20170310.html

Mehr Bilder: https://www.flickr.com/photos/strenn/albums/72157678061738073

Internetseite von Prof. Ing. Felix Gundacker: http://felixgundacker.at/felix/de/

Genealogische Datenbank GenTeam: www.genteam.eu

 

Bilder: Leopold Strenn, 10.3.2017

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s