Aufgelassene und verschwundene Friedhöfe – Ein kleiner Beitrag zu den Josephinischen Friedhöfen in Wien zwischen 1784 und 1874 von Günter Oppitz

Wer dem Friedhof St. Marx (3. Bezirk) einen Besuch abstattet, ist sich zwar bewusst, dass er sich auf einem Friedhof befindet, nicht allen ist jedoch bekannt, dass hier schon viele Jahrzehnte keine Beisetzung mehr stattgefunden hat.

Wenn jemand im Waldmüllerpark (10. Bezirk) oder im Währinger Park (18. Bezirk) Erholung sucht, wird er vielleicht durch die Gräberhaine (99 bzw. 58 Grabsteine) darauf aufmerksam, dass sich hier einmal große Friedhöfe befanden.

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Waldmüllerpark mit abgezäuntem Gräberhain – Foto: G. Oppitz, 2017

 

Aber wenn Kinder und Jugendliche im Haydnpark (12. Bezirk) auf dem Sportplatz spielen, denken sie wohl nicht an die Toten, die hier einmal bestattet wurden.

Und wenn man zur Eisrevue oder zu einer anderen Veranstaltung in der Wiener Stadthalle schreitet, ist wohl kaum jemandem bewusst, dass er sich auf seinem Weg über den Märzpark (15. Bezirk) bzw. am Veranstaltungsort auf dem Friedhofsgelände des ehemaligen Schmelzer Friedhofs befindet. Nur wenige werden realisieren, dass das Denkmal für die Toten der Märzrevolution direkt auf der früheren Begräbnisstätte errichtet wurde.

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Märzpark, im Hintergrund die Stadthalle – Foto: G. Oppitz, 2017

Es handelt sich bei den fünf erwähnten Orten um jene fünf Begräbnisstätten, die von 1784 bis 1874 als Friedhöfe für die Bewohner der inneren Bezirke dienten und die auch als Josephinische Friedhöfe bzw. später als Kommunalfriedhöfe bezeichnet wurden.

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Märzpark – Denkmal für die Opfer der Märzrevolution – Foto: G. Oppitz, 2017

Ab dem Jahr 1784 durften auf Anordnung des Kaisers „innerhalb der Linien“ (also in den heutigen Bezirken I – IX) keine Bestattungen mehr durchgeführt werden. In aller Eile wurden 5 Friedhöfe geschaffen bzw. erweitert, wo man die Toten der innerstädtischen Pfarren begraben konnte:

  • St. Marxer Friedhof
  • Matzleinsdorfer Friedhof
  • Hundsturmer Friedhof
  • Schmelzer Friedhof
  • Währinger Allgemeiner Friedhof

Im Jahr 1874, als man den Zentralfriedhof eröffnete, wurden diese Friedhöfe aufgelassen und später in Parks umgewandelt – einzig der St. Marxer Friedhof wurde als Friedhof und als Parkanlage für die Öffentlichkeit freigegeben.

Diese fünf Friedhöfe gibt es also nicht mehr – mit Ausnahme des St. Marxer Friedhofs, der allerdings auch nicht in der ursprünglichen Größe erhalten ist.

Die Chancen, Gräber von Vorfahren oder zumindest ihre Grabsteine zu finden, sind also äußerst gering, wenn sie auf diesen Friedhöfen bestattet wurden.

Manchen Forschern genügt es zu wissen, auf welchem Friedhof ihr Vorfahre begraben wurde bzw. wo dieser Friedhof ungefähr lag.

Oft gibt es sehr eindeutige Angaben in den Kirchenbüchern, aber leider nicht immer. In manchen Büchern gab es überhaupt keine diesbezüglichen Vermerke – wohl deshalb, weil man es als selbstverständlich betrachtete, dass die Verstorbenen einer Pfarre auf einem bestimmten Friedhof begraben wurden. Es gab bestimmte Zuordnungen, es gab auch Ausnahmen (die dann aber meist ausdrücklich vermerkt wurden), es gab manchmal auch einen Wechsel in der Zuordnung von Friedhöfen.

Ich habe vor einigen Monaten mit Hilfe der Sterbebücher eine Tabelle für die Pfarren der Bezirke I – IX erstellt, in der ich die Zuordnungen aufgelistet habe.

Bei den Bezeichnungen für die Pfarren habe ich mich bemüht, auch andere in den Kirchenbüchern verwendete Namen anzuführen.

Den kleinen Artikel „Die Zuordnung der Wiener Pfarren in den Bezirken I bis IX zu den fünf Josephinischen Friedhöfen“ mit der erwähnten Tabelle findet man unter www.guenteroppitz.at

 

Beitragsbild:

Wien: Friedhof Sankt Marx – Grabstelle, Detail, Oktober 2006 von Zyance (Eigenes Werk) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)%5D, via Wikimedia Commons – https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/ff/Smarx_z12.jpg

 

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