Mit Fiaker oder Einspänner unterwegs

Einige Bestimmungen aus der Wiener Fiaker- und Einspänner-Ordnung vom Jahre 1852

§ 29

Da der Fiaker oder Einspänner am Standplatze jede fahrlustige Partei aufzunehmen hat, so folgt von selbst, daß jede Fahrverweigerung am Standplätze, insbesondere unter dem falschen Vorwände bereits erfolgter Bestellung, völlig unzulässig ist.

Eine solche Verweigerung wird mit 48stündigem Arrest an dem Inhaber des Lohnfuhrwerks, an dem Knecht aber mit 10 Stockstreichen bestraft.

§ 30

Die Fiaker sowohl als die Einspänner müssen in vollkommen dienstfähigem Zustande auf dem Standplatze sich einfinden. Die Trunkenheit eines Fuhrwerks-Inhabers oder seines Knechtes wird an dem Inhaber mit 12- bis 24-stündigem mit Fasten verschärftem Arreste, an dem Knechte aber mit 10 bis 15 Stockstreichen bestraft, während Gewohnheitssäufer als Licenz-Inhaber den Verlust der Licenz, als Knecht aber das gänzliche Fahrverbot zu erwarten haben.

§ 31

Weder auf den Standplätzen noch während des Wartens auf seine Fahrgäste darf der Fiaker oder Einspänner seine Pferde anders als mit vorgehängten Futtersäcken, keineswegs aber mittelst der Futtertruhen oder mit Heu füttern, damit jede unnöthige Verunreinigung und Verstellung der Straßen vermieden werde.

§ 34

In Bezug auf die eigentliche Fahrordnung ist als ausnahmslose Regel festgesetzt, daß im ganzen Wiener Polizei-Rayon, insbesondere aber innerhalb der Linien Wiens, stets links in der Fahrstraße, ohne jedoch das Trottoir zu berühren, zu fahren sei und ebenso links dem entgegenkommenden Wagen ausgewichen werden müsse.

Das Vorfahren hingegen hat rechts zu geschehen, darf aber nur in dem Falle statthaben, wenn die Straße genugsam breit ist, der vorausfahrende Wagen sich im Schritte hält, vor demselben ein leerer Raum von mindestens drei Wagenlängen freisteht und kein entgegenkommender Wagen in der Nähe ist. Uebrigens gilt die Regel des Linksfahrens auch beim Passiren von Stadtthoren und Brücken jeder Art, jedoch darf unter Stadtthoren und auf Brücken gar nicht vorgefahren werden.

Den Fiakern und Einspännern ist das Einfahren in den Schweizerhof und das Durchfahren unter dem Rittersaale der k.k. Hofburg verboten.

§ 35

Jedenfalls darf nur im Schritte oder mäßigen Trabe gefahren werden. während das schnelle Fahren den Fiaker oder Einspänner und seinen Knecht laut der §§ 427 und 428 des Strafgesetzes einer Uebertretung schuldig macht, welche bei Ersterem, wenn er selbst fährt, oder auch nur dem Knechte das Schnellfahren in seinem Beisein nicht untersagt hat, mit einer Geldstrafe vor. 25 bis 100 fl., beim Knechte aber mit Arrest von 3 bis 14 Tagen und der Strafverdopplung im Wiederholungsfalle belegt ist.

§ 37

Kein Fiaker oder Einspänner darf, um seine Partei ein- oder aussteigen zu lassen, unter einem Stadtthore, auf einer Brücke oder in der Mitte einer Straße still halten, sondern immer nur nächst dem Trottoir, jedoch so, daß die Fußgeher nie gehindert werden; ebenso hat er im Falle des Wartens auf eine Partei seinen Wagen auf eine solche Art aufzustellen, daß er weder dem Vorübergehenden noch dem Fahrenden hinderlich ist.

Wo übrigens die Passage besonders beengt und die Frequenz ungewöhnlich stark ist, wie z.B. bei der Einfahrt in die Bognergasse, am Heidenschuß, zwischen dem Graben und Stock im Eisen, am Lugeck u.s.w. hat sich der Fiaker oder Einspänner wegen Abholens oder Abwartens eines Fahrgastes niemals aufzustellen, sondern die nächste breitere Gasse zu wählen und erst beim wirklichen Erscheinen der Partei vorzufahren.

Weder bei Gelegenheit des Abholens oder Abwartens eines Fahrgastes, noch sonst aus irgend einer Ursache darf der Licenz-Inhaber oder sein Knecht sein bespanntes Fuhrwerk ohne Aufsicht stehen lassen, widrigens die Bestrafung nach § 430 des Strafgesetzes eintreten würde.

§ 42

… Während der Fahrt ist übrigens den Fiakern und Einspännern das Tabakrauchen verboten.

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Quelle: Pollack, Leopold: „Geschichte der Wiener Einspänner – Genossenschaft, Herausgegeben zur fünfzigjährigen Jubelfeier der Wiener Einspänner als selbständige Gewerbetreibende vom Vorsteher der Wiener Einspänner- Genossenschaft, Wien 1904)

Bild: A fiaker in front of Stephansdom, Vienna, Austria von David Monniaux (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/), CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0) oder CC BY-SA 2.0 fr (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/fr/deed.en)%5D, via Wikimedia Commons

 

 

 

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