Was bedeutet mein Name? – Ein Beitrag von F. Gundacker

Eine Triebfeder sich mit seiner Ahnenforschung zu beschäftigen stellt sehr oft die Frage nach dem Ursprung und der Bedeutung seines Familiennamens dar. Was bedeutet Michelfeit oder Kindermann, Gundacker oder Danksagmüller?

Und auch hier gleich zu Beginn: Die Frage sollte erst nach Abschluss der Genealogie beantwortet werden. Viele Familiennamen sind an verschiedenen Orten mit gleicher oder unterschiedlicher Bedeutung entstanden und nicht wenige Namen haben sich im Laufe der Zeit geändert.

„Früher haben wir uns anders geschrieben“ – oft gesagt, aber falsch. Denn die Namen haben nicht wir oder unsere Vorfahren geschrieben – sie wurden geschrieben. Eine einheitliche Orthographie gab es aber nicht. Die ersten Gesetze zu einer exakten Schreibweise gab es erst 1849, zuvor schrieb man wie man konnte, nicht wie man zu schreiben hatte. Und daher kennen wir viele Schreibweisen von Meier – aber kennen Sie auch Määr? Auch das bedeutet Meier oder Mayer – und so wie man es 1690 in Höflein bei Bruck geschrieben hatte, hatte man es auch ausgesprochen.

Familiennamen gab es praktisch vor ca. 850 nicht. Erst dann sind sie langsam entstanden, in Franken in etwa ab dieser Zeit, in Österreich erst nach 1100, ca. 1450 können wir diese Entwicklung als abgeschlossen betrachten. Manche sind aus Vornamen entstanden (deutsche wie Hagen oder Gundacker, christliche wie Hans oder Martin), aus Berufen (Schuster, Müller, Posamentierer), Herkunftsnamen (Litschauer, Wiener). Oder aus Sätzen wie Schwingenschlögel, Springinsfeld oder Danksagmüller. Würde man glauben. Aber der letzte gehört hier nicht her. 1741 wird dieser Name in Nikolsburg TonSackMüller geschrieben: Phonetisch ident ist die Bedeutung unklar. Erst nach vielen Jahren konnte ich das Rätsel lösen: Die Familie kam von der Tannsäge bei Dürnholz in Mähren und der dortige Müller und Besitzer sägte wohl Tannen. Also kein Satzname, sondern ein Berufs-/Herkunftsname.

Oder 1753: In Salnau in Südböhmen änderte der Pfarrer plötzlich den Namen Kindermacher auf Kindermann. Und Michelfeit hat nichts mit den Vornamen Michael und Veit zu tun, sondern die Familie kam von der „feuchten Mühle“ bei Simmersdorf in Böhmen.

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Foto: L. Strenn, Juli 2016

Auch die typischen jüdischen Namen sind zu einem erheblichen Teil eine Legende. Es gibt sie natürlich, aber bei weitem nicht so zahlreich wie man oft spekuliert (Biheller aus Auschwitz oder Geiteles/Jeiteles aus Prag). Nach der Teilung Polens 1772 gab es in Galizien viele Hebräer mit keinem oder einem unverständlichen Familiennamen, und so gab es Gesetze von Maria Theresia deutsche Namen anzunehmen. Gold (Neutitschen in Mähren), Schatz (Schlägl im Mühlviertel) oder Rosental sind oft auch alte katholische wie jüdische Namen.

Nur von der Schreibweise des Namens auf ein Religionsbekenntnis, eine Herkunft und eine Bedeutung zu schließen ist daher nur in wenigen Fällen möglich.

Felix Gundacker, Genealoge ist erreichbar unter kontakt@FelixGundacker.at www.felixgundacker.at

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