13. Stammtisch 15.3.2016

Diesmal begann unser Stammtisch mit einer Führung durch den Kurator Dr. Georg Traska (Österreichische Akademie der Wissenschaften) im Volkskundemuseum:

Vertriebene und Verbliebene erzählen. Tschechoslowakei 1937-1948

Ausstellung und Videoinstallation
 Die von Georg Traska kuratierte Ausstellung thematisiert die NS-Zeit in der Tschechoslowakei und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensgeschichtliche Videointerviews, die in Österreich, Tschechien und der Slowakei geführt wurden, dokumentieren Erinnerungen an diese Geschichte bis in die Gegenwart. Als mitteleuropäische Kooperation kann die Ausstellung zeitgleich in Wien, Praha/ Prag und Bratislava/ Preßburg gezeigt werden.

Die 1918 entstandene Tschechoslowakei erbte von der Donaumonarchie die Konflikte der dort lebenden Volksgruppen. Der Nationalsozialismus radikalisierte den nationalen Anspruch als „rassische“ Vorherrschaft durch Annexion, Unterdrückung und Mord. Republikanische Bürgerschaft wurde durch „Volksgemeinschaft“ und damit verbundene ausschließende Begriffe ersetzt. Plötzlich konnte man nur noch „Deutscher“, „Tscheche“, „Jude“, „Magyar“ etc. sein.  Unmittelbar auf das Dritte Reich folgte die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, die abermals von Unrecht und Tod bestimmt wurde. Der Eiserne Vorhang vollendete die Trennung zwischen der vertriebenen und der zurückbleibenden Bevölkerung, und der Kommunismus verbot jede Diskussion über die Vertreibung und die dabei geschehenen Verbrechen.

40 Interviews zeichnen die historischen Vorgänge im Spiegel der individuellen Erfahrung nach: in Familie und Nachbarschaft, in ethnisch gemischten Städten und entlegenen Dörfern, in Frieden und Krieg, während Gefangenschaft, Deportation und Neubeginn. Eine besondere Rolle spielen InterviewpartnerInnen, die dem nationalen Entweder-Oder widersprechen: gemischte Paare, deutschsprachige Gegner des nationalsozialistischen Regimes, TschechInnen und SlowakInnen, die sich dem kommunistischen „antifaschistischen“ Narrativ der Vertreibung widersetzen, etc. (Volkskundemuseum)

Trotz des Nachmittagtermins – die Führung begann um 15.00 Uhr – war die Führung wieder außergewöhnlich gut besucht. Nach einer Einführung durch den Kurator hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit die Videoinstallationen selbst zu erleben. Für 16.30 Uhr war eine abschließende Diskussionsrunde vorgesehen, die wegen des großen Interesses bis eine Viertelstunde über die Öffnungszeit des Museums hinaus bis 17.15 Uhr andauerte.

Der Dank aller Anwesenden galt ganz besonders den spannenden Ausführungen von Dr. Traska, aber auch unserer regelmäßigen Stammtischbesucherin Frau Gerlinde Kainz, die die Initiative zu diesem Termin gesetzt und die Kontakte hergestellt hatte.

Alle, die die Ausstellung noch besuchen wollen, können dies vom 20. Mai bis 2. Juni 2016 im Rathaus in Brünn tun.  Mehr Informationen finden Sie hier.

Der anschließende zweite Teil wurde ohne festes Programm wieder im vier Minuten entfernten „Hofbräu zum Rathaus“ abgehalten.

 

 

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